Geisterstadt Salzburg: Keiner-da statt Jedermann

Geisterstadt Salzburg: Keiner-da statt Jedermann

Geisterstadt Salzburg: Keiner-da statt Jedermann

Geisterstadt Salzburg: Keiner-da statt Jedermann 1350 809 Caroline Fellinger


Das Leben, wie wir es kennen, wurde in den letzten Wochen ziemlich auf den Kopf gestellt. (Fast) nichts ist mehr, wie es noch vor einem Monat war. Home Schooling, Home Office, Masken und Ausgangsbeschränkungen gehören jetzt zu unserem Alltag. Ich für meinen Teil bin froh, dass wir wenigstens mit traumhaften Wetter „belohnt“ werden. Genau dieses traumhafte Wetter nutze ich am Samstag, um mir die Füße zu vertreten und den Kopf freizubekommen. Ich spaziere über den Mönchsberg in die Altstadt – so viel habe ich schon über die neue Ruhe in der Salzburger Innenstadt gehört, jetzt will ich mir selbst ein Bild davon machen.

Salzburg im Dornröschenschlaf

Gleich bei der ersten Möglichkeit wage ich einen Blick auf die Stadt. Vom Mönchsberg schaue ich auf die leeren Straßen und Gassen. Es scheint fast so, als wäre unsere schöne Stadt in einen Dornröschenschlaf gefallen – kein Markt am Universitätsplatz, keine Tourist*innen, kein reges Treiben. Auch die Geräuschkulisse ist anders als sonst. Alles ist viel ruhiger und leiser. Ich bin fasziniert, in den Bann gezogen und kann es kaum erwarten, diese märchenhafte Ruhe hautnah zu spüren.

 

Gemischte Gefühle in der Geisterstadt

Die ersten Meter genieße ich diese unbeschreibliche Ruhe sehr. Ich kann hingehen, wo ich will ohne jemanden auszuweichen. Ich werde nicht angerempelt und sehe Dinge, die mir sonst vor lauter Menschen, wahrscheinlich nicht aufgefallen wären. Doch als ich an den ersten geschlossenen Geschäftslokalen vorbeigehe, wird mir diese Ruhe plötzlich unheimlich. Sie weicht einem beklemmendem Gefühl. Ich beginne, an die Menschen zu denken, die hier sonst mit viel Herzblut jeden Tag ihre Waren verkaufen. Etliche dieser Menschen bangen wahrscheinlich gerade um ihre Existenz und wissen nicht, wie es weitergeht.

Straßenfest der geschlossenen Geschäfte

Plötzlich kommt mir ein Gedanke. Wir machen die Kampagne #ichkauflokal jetzt schon seit über drei Jahren und sind immer auf der Suche nach neuen Ideen. Eine dieser Ideen war ziemlich verrückt: Wir wollten in einer Straße alle Geschäfte mit Zeitungspapier zukleben, damit die Menschen ein Gefühl dafür bekommen, was es heißt, wenn es keine Geschäfte mehr vor Ort gibt. Verbunden hätten wir die ganze Aktion mit einem Straßenfest – Musik und Geselligkeit wären dabei sicher nicht zu kurz gekommen. Doch leider haben wir es nie geschafft, dass sich alle Geschäftsleute in einer Straße darauf eingelassen haben. Und jetzt? Jetzt haben wir genau das – nur ohne Musik. Noch nie war sichtbarer, was es bedeuten kann, wenn Menschen nicht mehr lokal einkaufen (können).

Rein in deine Stadt

Es ist einfach unheimlich, dass ich in der Getreidegasse die anderen Menschen an nur einer Hand abzählen kann. Das Gefühl der Beklemmung lässt mich nicht mehr los. Ich bin wirklich froh, als ich endlich wieder an der Salzach, weg von der Altstadt, bin. Dennoch kann ich euch allen einen Spaziergang durch Salzburg oder eure Heimatstadt in diesen Tagen nur empfehlen. Es gibt nichts Besseres als diese Atomsphäre selbst zu spüren und zu erkennen, wie wichtig der lokale Handel und die Menschen dahinter für uns sind.

Meine Hoffnung #umdenken

Durch die Krise beginnen die Menschen umzudenken, das merken wir auch bei #ichkaufllokal ganz stark: Die Facebook-Seite #ichkauflokal hat in den letzten Wochen viele neue Fans bekommen. Um die Menschen zum Dialog anzuregen, wurde zudem die Gruppe Mir ist’s nicht egal – #ichkauflokal ins Leben gerufen. Diese Gruppe ist durch die Decke gegangen. Nach nicht einmal drei Wochen tauschen sich hier täglich über 5.000 Menschen aus dem ganzen Bundesland Salzburg aus, wo sie was regional kaufen können. Das stimmt mich zuversichtlich. Ich hoffe sehr stark, dass dieses neue Bewusstsein, dass hier gerade entsteht, die Krise überdauert. Ich wünsche mir, dass viele Menschen umdenken und mehr lokal einkaufen. So unterstützen wir uns gegenseitig, können in abwechslungsreichen Städten und Orten leben und erhalten zusammen unsere Gemeinschaft!

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